Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

10.02.2016

Das Meer ist eine Metapher

Bemerkungen von David Alden zur Inszenierung von PETER GRIMES

PETER GRIMES scheint auf den ersten Blick ein lokales Stück zu sein, an ein fiktives Fischerdorf in Ostengland geknüpft. Aber das ist nur ein Aspekt, in Wirklichkeit ist der Stoff universell; es kann überall sein. Es ist auf der einen Seite ein sehr scharfes, satirisches Spiel über eine bestimmte Gesellschaft, das durchaus mit Großbritannien zu tun hat; die Leute kannte Britten sehr gut, es war seine Heimat. Aber es ist mehr als das, wie uns die Zeit gelehrt hat, und ich denke, dass es gut ist, eine Sicht darauf zu haben, die nicht auf einen Ort begrenzt ist. (more…)

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08.02.2016

Der Fluch des langen Lebens – Der Regisseur David Hermann über sein Plädoyer für die Liebe

In Leos Janaceks Oper „Die Sache Makropulos“ geht es vordergründig um einen Erbschaftsstreit, der fast seit einem Jahrhundert schwelt. Während aber die Kontrahenten nur ein belastbares Dokument oder Testament zu finden suchen, das die Erbansprüche endlich klärt, hofft Emilia Marty zwischen den Akten die Rezeptur eines Trankes wiederzufinden, der das Leben um 300 Jahre verlängern kann. 337 Jahre alt ist die jugendlich wirkende Schönheit bereits, denn an ihr wurde der Trank einst getestet. Doch nun beginnt seine Wirkung nachzulassen und sie benötigt ihn erneut. (more…)

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05.02.2016

On the road again

„Wohin gehst Du?“ fragt das Winterferien-Musiklabor, das abenteuerlustigen Schülern die freie Woche zwischen den Halbjahren versüßt.

„Fast alles, was in dieser Stadt passiert, ist eine Form von Bewegung: Jemand läuft über die Straße, ein Feuerwehrauto biegt um die Ecke, Menschen steigen in eine Straßenbahn“, erklärt Franziska Seeberg. Als Berlin-Expertin und -Liebhaberin projiziert die Regisseurin ihre Passion für die Hauptstadt in eins der fünf anstehenden Winterferien-Musiklabore. Entsprechend enthusiastisch schwärmt sie: „Das funktioniert auch im übertragenen Sinne: Häuser werden errichtet und irgendwann wieder abgerissen. Es gibt so viele Bewegungsprinzipien, die etwas über die grundsätzlichen Zusammenhänge in der Stadt erzählen.“ (more…)

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21.01.2016

Viele kleine Mosaiksteinchen

In der Musiktheater-Uraufführung „Sensor“ verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Der Abend beginnt mit einem fürchterlichen Krach. Zwei Frauen und ein Mann finden sich in einem Haus mit eingestürztem Dach wieder. Was ist passiert? Sie können sich nicht wirklich erinnern und beginnen, Fragen zu stellen: Wer bin ich, wer sind die anderen Leute im Raum, wie kam es zu dieser Katastrophe? Das Musiktheaterstück „Sensor“ des Komponisten Konrad Boehmer und des Schriftstellers Albert Ostermaier ist eine Entdeckungsreise ins Innenleben der drei Personen und in eine aus den Fugen geratene Welt. (more…)

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20.01.2016

Ganz schön radikal

Claus Guth inszeniert „Salome“ als surreales Seelendrama über den Missbrauch hinter bürgerlicher Fassade

„Lauter perverse Leute“ treten in der Oper SALOME auf. So hat es Richard Strauss selbst formuliert. Der mächtige Herodes wirft lüsterne Blicke auf seine Stieftochter Salome, während der gefangene Prophet Jochanaan aus der Zisterne ruft. Salome tanzt für ihren übergriffigen Stiefvater und wünscht sich als Belohnung das Haupt des Propheten. Sie liebkost den abgeschnittenen Kopf, und Herodes ist so schockiert, dass er Salome töten lässt. Das klingt alles schon sehr pervers, und die Aufführungstradition der Oper steckt voller Inszenierungen, die einen Haufen exzentrischer oder verrückter Kunstfiguren auf eine düster und surreal ausgestattete Bühne stellen. (more…)

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20.01.2016

„Das ist unsere Lebenszeit!“

Acht Insassen der Jugendstrafanstalt Berlin reflektieren Themen aus Richard Strauss’ Oper „Salome“ und verknüpfen sie mit ihrer eigenen Lebensrealität

„Hier ist es enorm langweilig“ sagt Yasin*, einer von derzeit 300 in der Jugendstrafanstalt Berlin (JSA) inhaftierten Heranwachsenden. Wegen schweren Raubs hat der 20-Jährige die letzten fünf Jahre hinter hohen Mauern nahe der Beusselstraße verlebt. Zweieinhalb weitere stehen noch aus. „Aufschließen, zuschließen – so geht das jeden Tag“, bekräftigt er schulterzuckend, um dann mit einem Grinsen zu ergänzen: „Täglich grüßt das Murmeltier“. (more…)

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19.01.2016

Bewegungsmelder

Zur Uraufführung des „elektrischen Musiktheaters“ SENSOR von Konrad Boehmer und Albert Ostermaier

Der Komponist Konrad Boehmer war eine jener „mythischen“, bekannt-unbekannten Figuren der Nachkriegsavantgarde. So habe ich ihn zumindest während meines Studium der Komposition und Musikwissenschaft zwischen 2000 und 2004 in Saarbrücken kennengelernt – bevor sich dann dort der direkte, persönliche Kontakt ergab. Als Mitglied der „Kölner Schule“ in den „wilden Jahren“ der musikalischen Nachkriegsavantgarde um 1960 hat Boehmer seinen festen Platz in der Musikgeschichte: als Teilnehmer der Darmstädter Ferienkurse 1959 im zarten Alter von 18 Jahren. (more…)

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18.01.2016

Mit solidem Schuhwerk und fester Gangart

Mindestens einen Sänger im Ensemble der Deutschen Oper Berlin gibt es, über den man sich zuraunt, er könne Weltkarriere machen, wenn er nur wollte: Markus Brück. Stattdessen wählte der den Beruf des Publikumslieblings. Damit führt Brück die Tradition früherer Ensemblemitglieder fort, die man kannte, eben weil sie regelmäßig in Berlin auftraten: Martti Talvela, Lisa Otto oder Elisabeth Grümmer. (more…)

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13.01.2016

Die Schönsten der Schönen

„Durch die Blume…“ sagt man eigentlich Unangenehmes. Der Titel „Sag’ es durch die Blume“ würde demnach der Aufforderung gleichkommen, eine missliebige, hässliche Wahrheit beschönigend zu umschreiben. Und genauso ist es ja auch in der Oper: Es handelt sich dabei um ein grundweg euphemistisches, schönrednerisches Gewerbe. (more…)

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07.12.2015

Nietzsches Blick auf den Hirtengott Pan

Unter Leitung von Donald Runnicles spielt das Orchester der Deutschen Oper Berlin Gustav Mahlers monumentale 3. Sinfonie

Maurice Béjart (1927-2007) war zeitlebens ein großer Mahler-Bewunderer. Mit seinem Ballett „Ce que l’amour me dit“ (1974) ehrte der Choreograf dessen Kompositionen, in dem er seiner Inszenierung Auszüge aus Mahlers Dritter unterlegte. Die Symbiose hat bis heute weder an Energie noch Aktualität eingebüßt. Nach zehnjähriger Abstinenz führte das Béjart Ballet das Repertoirestück endlich wieder in Berlin auf. Das war vergangenen Herbst, als die Compagnie für wenige Tage in die Hauptstadt kam. (more…)