Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

Die Aufnahme der Ausnahme

Heutzutage kann jeder Komponist sein: alle 24 Stunden wird eine unmessbare Menge an Musik produziert. Daher fragt der britische Klangkünstler Matthew Herbert: sind wir immer noch in der Lage zuzuhören? Welche Rolle in unserem alltäglichen Leben? Und kann Musik soziale oder politische Veränderungen beeinflussen, kann sie etwas bewegen? Herbert lädt zur Beantwortung dieser Fragen das Publikum ein, sich mit dem kreativen Prozess auseinanderzusetzen und daran auch aktiv teilzunehmen. Sieben Tage werden Matthew Herbert und seine Band Artists-in-Residence sein, in einem eigens hierfür eingerichteten Tonstudio in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin. Ihr Ziel: innerhalb von einer Woche ein Album from scratch zu komponieren, aufzunehmen und zu mischen, in erster Linie gemeinsam mit dem Publikum. Am achten Tag wird dann gefeiert: THE RECORDING kulminiert in einer Record-Release-Party.  (more…)

Mayako Kubo über „Das Meer“

„Musik nach Fukushima zu schreiben, ist nicht möglich. Die Opfer kann keine Musik trösten. Und was kann ich unternehmen? Wenn Unmengen kontaminierten Wassers immer noch Tag für Tag ins Meer fließen. Das Meer ist verseucht. Die Erde ist verseucht.

„Das Meer“, ein Auftragswerk des Landesmusikrates Berlin, habe ich für das Landesjugendensemble Neue Musik Berlin geschrieben. Es ist meine Art, Wut auszudrücken, wobei die Musik nicht das wiedergeben kann, was geschah. Musik bleibt Musik. (more…)

Isabel Mundry über „Gefächerter Ort“

„Der Komposition gehen zwei Anregungen voraus, die scheinbar unverbunden nebeneinander stehen. Auf der einen Seite widmet sie sich der Lektüre des Textes “Melancholie” von Peter Nádas, in dem der Bedeutung des Begriffes nachgegangen wird, der weniger als ein Gemütszustand, sondern eher als eine Wahrnehmungsform beschrieben wird. Die melancholische Wahrnehmung sei sich bewusst, dass jeder Blickwinkel nur einen Ausschnitt darstelle, daß man nicht gleichzeitig nah und fern sein könne, nicht gleichzeitig ich und ein anderer. (more…)

Katia Tchemberdji über „Ouvertüre“

Die „Ouvertüre“ – das Stück vor dem Stück – entfaltet sich im orchestralen Raum, in dem die Instrumentengruppen Holzbläser, Streicher, Klavier/Akkordeon, Gitarre/Harfe/Schlagzeug als Klangschichten gedacht, sich zu- oder voneinander dynamisch bewegen und sich irrealen Charakteren auf der virtuellen Bühne annähern. Am Ende geht der imaginäre Vorhang auf – die Eröffnung einer Oper. Wobei die letzte aber nicht gespielt wird.
(Katia Tchemberdji) (more…)

Sarah Nemtsov über „communication – lost – found“

Frau Nemtsov, Neue Musik und ein Laienensemble, wie geht das zusammen?
Ich würde die Musikerinnen und Musiker des Landesjugendensembles Neue Musik nicht unbedingt als Laien bezeichnen, sie haben nur nicht eine komplette Ausbildung abgeschlossen und sie haben noch wenig Erfahrung. Aber ich habe schon mehrfach für Laien komponiert. Die Musik muss man Musik anders denken, weil bestimmte Voraussetzungen, die man bei Profi-Ensembles hat, nicht gegeben sind. Dafür erhält man eine besondere Energie, auch ein gewisse Unschärfe, aus der aber eine bestimmte Kraft erwächst. (more…)

Juliane Klein über „weit-weit“

„Wenn sich beim Hören von Musik (genauer gesagt: beim ZUHÖREN) in mir Gedanken an Außerordentlichkeit, an Tiefe / Höhe, an Einmaligkeit, an Visionäres, an Fremdheit und Nähe etc. regen, bin ich dann in Berührung mit dem Schönen gekommen? Im Lärm von Ansicht, Meinung, Standpunkt, Überzeugung, Wissen, Wertung und Urteil mag ‘das stille, sanfte Sausen’ des Schönen nicht gehört werden.
Denn das, was wir hören, ist eben nur das, was wir hören KÖNNEN.

 

(more…)

Eine Frage der Schuld

David Hermann inszeniert Iannis Xenakis’ ORESTEIA auf dem Parkdeck Deutsche Oper

Von Boris Kehrmann

Jeder Regisseur hat eine Wunschliste von seltenen Stücken, die er in der Hoffnung mit sich herumträgt, sie irgendwann einmal realisieren zu können. Bei David Hermann stand Iannis Xenakis’ ORESTEIA lange ganz weit oben auf der Liste und es war kein Wunder, dass er sofort dieses Stück vorschlug, als er nach dem Erfolg von Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN über eine weitere Zusammenarbeit redete. (more…)

Reisen ist spannender als Ankommen

Matthew Herbert entwickelt mit Publikum und Gästen während einer Woche in der Tischlerei sein neues Album

Von Jacqueline Krause-Blouin

There ain’t no easy way out. Den einfachen Weg, den kennt Matthew Herbert nicht oder weicht ihm zumindest wann immer möglich aus. Wo andere Musiker den schnellen Erfolg und das Schulterklopfen der Kommerzgemeinde genießen, sucht Herbert etwas Höheres. Nur weiß er selbst oft am wenigsten, was genau er eigentlich sucht, die Destination ist nebensächlich.

„Ich glaube, dass die Vorstellung, Musik sei ein Produkt, einer der größten Irrtümer des heutigen Musikverständnisses ist. (more…)

Humor, Hokuspokus und seriöser Anspruch

Humor, Hokuspokus und seriöser Anspruch

Gerlinde Pelkowski über ihre Open-Air-Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“, die schon international Erfolge feierte

Von Martina Helmig

Mozarts „Zauberflöte“ lässt sich auf vielerlei Art deuten – als naives Märchen oder hehres Welterklärungsmodell, als gesellschaftliche Parabel oder mystische Geschichte mit exotischem Flair. Die Regisseurin Gerlinde Pelkowski will sich gar nicht entscheiden. (more…)