Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

Heilige mit Geheimnis

Mit DIE SCHÄNDUNG DER LUCRETIA setzt die Deutsche Oper Berlin ihren gefeierten Britten-Zyklus fort

Von Uwe Friedrich

Diese Inszenierung gleicht einer archäologischen Ausgrabung. Ein Mann und eine Frau suchen nach der historischen Wahrheit und ihrer Deutung für die Gegenwart. Tatsächlich wühlen sie in der Erde eines römischen Feldlagers und finden Indizien für die Vergewaltigung einer jungen Frau. Sie kommentieren die Fundstücke und wollen verstehen, wie es zu der Tat kam und was die Folgen waren. Benjamin Brittens rätselhafte Kammeroper DIE SCHÄNDUNG DER LUCRETIA entstand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg (more…)

“Alles außer Oper”

Bei IN TRANSIT zeigen sich die Sänger des Ensembles von einer ungewohnten Seite

Von Patrick Wildermann

Immer in Bewegung. Nie wirklich angekommen. Das ist das Grundgefühl der Gegenwart. Wir sind Durchreisende mit festem Ziel vor Augen, aber stets zwischen den Stationen: im U-Bahnhof, am Flughafen, an der Bushaltestelle. „Orte, an denen man sich begegnet oder weiter geht“, so Eva-Maria Abelein. „Wo wir viel Zeit unseres Lebens verbringen“. (more…)

Hymnen auf die Liebe

Das Béjart Ballet zu Gast im Tempodrom

Von Sandra Luzina

„Verloren sei uns der Tag, wo nicht ein Mal getanzt wurde!“ schrieb Nietzschein „Also sprach Zarathustra“. Dieses Diktum war für den Choreografen Maurice Béjart ein Lebensmotto – bis zuletzt. Der charismatische Ballett- Erneuerer starb im November 2007 im Alter von 80 Jahren in Lausanne. Doch seine Compagnie existiert weiter und hält das künstlerische Erbe des Jahrhundert-Choreografen lebendig. (more…)

Wie ein Desaster sich in einen Riesenerfolg verwandelte

In ihrer Oper ARIADNE AUF NAXOS vermischten Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal Burleske und Tragödie

Von Martina Helmig

Was tun bei übergroßem Kummer? Man möchte erstarren, sich verstecken und vergraben. Den Schmerz überwindet man aber erst, wenn man bereit ist, sich zu öffnen und auf etwas Neues zuzugehen. Diese grundsätzliche Erkenntnis vermittelt die Oper „Ariadne auf Naxos“ auf verschiedenen Ebenen. Da ist erst einmal die Titelheldin selbst. Sie hat Theseus mit ihrem Faden vor dem Minotaurus gerettet, für ihn ihre Familie und Heimat aufgegeben. (more…)

Maurice Béjarts rauschhaftes Weltballett

Auf Einladung der Deutschen Oper und des Staatsballetts Berlin zeigt das Béjart Ballet Lausanne drei großartig besetzte Meisterwerke des Jahrhundert-Choreografen

Von Martina Helmig

Die Franzosen verehren ihn als Monstre sacré, als heiliges Monster.Andere nennen ihn Jahrhundertchoreografen, Ballettmagier oder Bilderzauberer. Maurice Béjart hat die Tanzkunst des 20. Jahrhunderts revolutioniert. Nach elf Jahren gastiert auf Einladung des Staatsballetts Berlin und der Deutschen Oper das Béjart Ballet Lausanne wieder in Berlin. Drei groß besetzte Meisterwerke des 2007 verstorbenen Franzosen sind vom 17. bis 19. Oktober im Tempodrom zu erleben: „Le Sacre du Printemps“, „Boléro“ und „Ce que l’amour me dit“. (more…)

Der Star aus der Spandauer Straße

Giacomo Meyerbeer, das „weltfreie“ Genie, und seine komplizierte Beziehungskiste mit Berlin

Weil beim Auftritt eines Soldaten-Balletts echte Munition verwendet wurde und ein glimmender Gewehrpfropfen Kostümhaufen entflammte, war am 19. August 1843 mit den Kulissen der Königlichen Oper das ganze Gebäude abgebrannt. Für die Eröffnung des eilends wiederherzustellenden Musentempels legt Friedrich Wilhelm IV. seinem neuen Generalmusikdirektor, dessen Bühnen-Hits international Furore machen, den eigenhändigen Entwurf eines friderizianischen Singspiels vor. (more…)

Die Aufnahme der Ausnahme

Heutzutage kann jeder Komponist sein: alle 24 Stunden wird eine unmessbare Menge an Musik produziert. Daher fragt der britische Klangkünstler Matthew Herbert: sind wir immer noch in der Lage zuzuhören? Welche Rolle in unserem alltäglichen Leben? Und kann Musik soziale oder politische Veränderungen beeinflussen, kann sie etwas bewegen? Herbert lädt zur Beantwortung dieser Fragen das Publikum ein, sich mit dem kreativen Prozess auseinanderzusetzen und daran auch aktiv teilzunehmen. Sieben Tage werden Matthew Herbert und seine Band Artists-in-Residence sein, in einem eigens hierfür eingerichteten Tonstudio in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin. Ihr Ziel: innerhalb von einer Woche ein Album from scratch zu komponieren, aufzunehmen und zu mischen, in erster Linie gemeinsam mit dem Publikum. Am achten Tag wird dann gefeiert: THE RECORDING kulminiert in einer Record-Release-Party.  (more…)

Mayako Kubo über „Das Meer“

„Musik nach Fukushima zu schreiben, ist nicht möglich. Die Opfer kann keine Musik trösten. Und was kann ich unternehmen? Wenn Unmengen kontaminierten Wassers immer noch Tag für Tag ins Meer fließen. Das Meer ist verseucht. Die Erde ist verseucht.

„Das Meer“, ein Auftragswerk des Landesmusikrates Berlin, habe ich für das Landesjugendensemble Neue Musik Berlin geschrieben. Es ist meine Art, Wut auszudrücken, wobei die Musik nicht das wiedergeben kann, was geschah. Musik bleibt Musik. (more…)

Isabel Mundry über „Gefächerter Ort“

„Der Komposition gehen zwei Anregungen voraus, die scheinbar unverbunden nebeneinander stehen. Auf der einen Seite widmet sie sich der Lektüre des Textes “Melancholie” von Peter Nádas, in dem der Bedeutung des Begriffes nachgegangen wird, der weniger als ein Gemütszustand, sondern eher als eine Wahrnehmungsform beschrieben wird. Die melancholische Wahrnehmung sei sich bewusst, dass jeder Blickwinkel nur einen Ausschnitt darstelle, daß man nicht gleichzeitig nah und fern sein könne, nicht gleichzeitig ich und ein anderer. (more…)

Katia Tchemberdji über „Ouvertüre“

Die „Ouvertüre“ – das Stück vor dem Stück – entfaltet sich im orchestralen Raum, in dem die Instrumentengruppen Holzbläser, Streicher, Klavier/Akkordeon, Gitarre/Harfe/Schlagzeug als Klangschichten gedacht, sich zu- oder voneinander dynamisch bewegen und sich irrealen Charakteren auf der virtuellen Bühne annähern. Am Ende geht der imaginäre Vorhang auf – die Eröffnung einer Oper. Wobei die letzte aber nicht gespielt wird.
(Katia Tchemberdji) (more…)