Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

Der Feind in meinem Bett

Drei Kurzopern des Kompositionswettbewerbs NEUE SZENEN II beleuchten ein dunkles Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte

Ein großer Liebhaber ist dieser Romeo nicht. Mit Shakespeares jugendlichem Helden hat er überhaupt nur eines gemeinsam: die Bereitschaft zur Selbstaufgabe. Wohinter in seinem Fall jedoch keine edlen, sondern arglistige Motive stehen. Thomas Zaletzki ist ein Lügner. Ein Spion. Ein Romeo. So lautet die nachrichtendienstliche Bezeichnung für einen männlichen Agenten, der im Zuge seiner Mission eine Liebesbeziehung mit der weiblichen Zielperson eingeht. Undercover, selbst im Bett. Eine Methode, die besonders bei der Stasi beliebt war. Thomas hat seine Frau Katja über Jahre getäuscht, sogar ein Kind mit ihr bekommen. Jetzt zieht ihn seine Vorgesetzte beim konspirativen Treffen am Ehrenmal im Treptower Park von dem Auftrag ab. Woraufhin der Spion mit einer schweren Identitätskrise zurückbleibt: „wer bin ich, wenn man das spiel wegnimmt. wenn man alle masken abreißt. die maske ehemann, die maske vater“, fragt er sich. (more…)

ROMEO UND JULIA als Inspirationsquelle

Shakespeares Texte haben Komponisten durch die Jahrhunderte inspiriert, angefangen mit Purcells THE FAIRY QUEEN, die auf dem Stoff des „Sommernachtstraums“ basiert, bis hin zu Thomas Adès’ Studien zum STURM. Diese Reise durch die Jahrhunderte endet schließlich in der Jetzt-Zeit:

Das Orchester der Deutschen Oper vergibt in diesem Jahr ein Auftragswerk an den Komponisten Mathias Hinke, das sich auf das Drama „Romeo und Julia“ beziehen und Shakespeares Sprache in einem Kammermusikwerk zu Gehör bringen wird. Mit Mathias Hinke sprach Dramaturg Sebastian Hanusa über die Neukomposition und die Inspirationsquelle William Shakespeare. (more…)

NEUE SZENEN II: Wir sind belauscht mit Ohr und Blick

Zum zweiten Mal nach 2013 ist die Tischlerei Ort der NEUEN SZENEN, des gemeinsamen Musiktheaterprojekts der Deutschen Oper Berlin und der Hochschule für Musik Hanns Eisler.

Am Anfang der NEUEN SZENEN II stand der internationale Kompositionswettbewerb, den die Deutsche Oper Berlin zusammen mit der Hochschule ausgelobt hatte. Im Januar 2014 wählte eine Jury unter Vorsitz von Manfred Trojahn unter 50 Bewerbern drei Komponisten aus, an die der Auftrag erging, zusammen mit drei jungen Dramatikern aus dem Studiengang „Szenisches Schreiben“ der Universität der Künste je eine Kammeroper von 20 bis 30 Minuten zu schreiben, die an einem Abend gemeinsam aufgeführt werden. (more…)

Die heitere „Bohème“

„La Rondine“ ist Puccinis origineller Weg ins leichtgewichtige Parlando

Puccinis lyrische Komödie, „La Rondine“,war ein Schmerzenskind. Wegen des I. Weltkrieges konnte das Werk nicht am Wiener Carl-Theater uraufgeführt werden. Dort hatte man es für ein fürstliches Honorar in Auftrag gegeben. Die Verlegung ins Opernhaus des Kasinos von Monte Carlo rückte das Werk 1917 zwar in die Nähe eines der Orte der Handlung. Abseitig indes blieb die Lage dieser letzten Oper, deren Uraufführung Puccini noch persönlich erlebt hat. (more…)

Der Frauenversteher

Giacomo Puccini schöpfte die Inspiration zu seinen Opern immer wieder aus privaten Liebesverhältnissen

Die Titel seiner Opern sprechen für sich. MANON LESCAUT, TOSCA, FRÄULEIN SCHMETTERLING, TURANDOT. Giacomo Puccini liebte die Frauen. Er machte sie zu den Heldinnen seiner Dramen, auch wenn – oder gerade weil – sie die Opfer der Geschehnisse werden, die ihnen die eigene Verliebtheit, ein skrupelloser Mann oder das ungnädige Schicksal aufgezwungen haben. (more…)

„Ich liege seit 20 Jahren auf der Couch“

Opernstar Rolando Villazón inszeniert „La Rondine“. Er spricht über die Oper, die Überwindung von Krisen und die Masken seiner Persönlichkeit.

Berliner Morgenpost: Herr Villazón, die Handlung von Puccinis „La Rondine“ klingt komplex. Können Sie sie mal kurz zusammenfassen?

Rolando Villazón: Gerne doch. In zwei Sätzen: Es geht um die Erfüllung von Magdas Vorstellung von wahrer, romantischer Liebe. Und wie sie scheitert. Das hätten Sie nicht gedacht, oder?!

Meine Hochachtung! Und die Musik?

Ist transparent, jedenfalls nicht dick oder ölig. (more…)

Freiheitskämpfer ohne Kraft

Eine Geschichte von Feindschaft und Heiligem Krieg, von Macht und Lust, von Gott und Götzen, von gebrochenen Tabus. „Samson und Dalila“, die einzige erfolgreiche der 13 Opern von Camille Saint-Saëns, birgt ohne Frage eine Menge thematischen Zündstoff, ohne dabei Partei zu ergreifen. Ferdinand Lemaires Libretto, in Anlehnung an das biblische Buch der Richter, Kapitel 13-16, zeigt keinen Sieger und keine Wahrheit auf. Der Ort: Gaza, um 1100 v. Chr. (more…)

„Ich bin meinem Talent gefolgt“

Für Elbenita Kajtazi aus dem Kosovo erfüllte sich ein Lebenstraum

Wie gemalt sieht sie aus. Mit ihrem seidenen Schal, den langen dunklen Haaren und den geheimnisvollen Augen unter nicht endenwollenden Wimpern: Elbenita Kajtazi, Sopranistin und Stipendiatin der Deutschen Oper Berlin. Die 23-Jährige lacht viel und laut und strahlt eine Gelassenheit aus, die man kaum fassen kann, wenn man ihre bewegte Lebensgeschichte hört. Später wird sie sagen: „Ich lebe meinen Traum. Ich habe allen Grund glücklich zu sein.“ (more…)

Wer hasst, kann nicht trauern

„Elektra“ von Richard Strauss in der Inszenierung von Kirsten Harms und mit drei Sängerinnen von Weltrang

„Wo bleibt Elektra?“ Keine Ouvertüre, kein instrumentales Vorgeplänkel, nichts. Mit einer profanen Frage einer Magd beginnt diese Oper, die doch an Intensität kaum zu überbieten ist. Die 1909 uraufgeführte „Elektra“ von Richard Strauss nach dem gleichnamigen Drama von Hugo von Hofmannsthal nimmt gerade mal 1 Stunde 50 Minuten pausenlose Spieldauer in Anspruch, aber die hat es in sich. Die Atmosphäre in diesem Opernschocker, in dem von Beginn an der Rachegedanke dominiert, ist noch düsterer als in der vier Jahre älteren Oper „Salome“, obwohl die Gewalt, wie im antiken Drama üblich, sich hinter der Szene abspielt. (more…)

Die Kraft der Verzweiflung

Evelin Herlizius im Gespräch mit Uwe Friedrich

Frau Herlitzius, Sie singen unter anderem die Elektra von Richard Strauss, Turandot von Giacomo Puccini, die Lady Macbeth von Giuseppe Verdi und die Lady Macbeth von Mzensk von Dmitrij Schostakowitsch. In diesen Rollen verkörpern Sie Frauenfiguren am Rande des Nervenzusammenbruchs, die kaum sympathisch wirken. Wie finden Sie einen Zugang zu diesen Rollen?

Das klingt mir ein bisschen zu hysterisch. (more…)