Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

On the road again

„Wohin gehst Du?“ fragt das Winterferien-Musiklabor, das abenteuerlustigen Schülern die freie Woche zwischen den Halbjahren versüßt.

„Fast alles, was in dieser Stadt passiert, ist eine Form von Bewegung: Jemand läuft über die Straße, ein Feuerwehrauto biegt um die Ecke, Menschen steigen in eine Straßenbahn“, erklärt Franziska Seeberg. Als Berlin-Expertin und -Liebhaberin projiziert die Regisseurin ihre Passion für die Hauptstadt in eins der fünf anstehenden Winterferien-Musiklabore. Entsprechend enthusiastisch schwärmt sie: „Das funktioniert auch im übertragenen Sinne: Häuser werden errichtet und irgendwann wieder abgerissen. Es gibt so viele Bewegungsprinzipien, die etwas über die grundsätzlichen Zusammenhänge in der Stadt erzählen.“ (more…)

Viele kleine Mosaiksteinchen

In der Musiktheater-Uraufführung „Sensor“ verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Der Abend beginnt mit einem fürchterlichen Krach. Zwei Frauen und ein Mann finden sich in einem Haus mit eingestürztem Dach wieder. Was ist passiert? Sie können sich nicht wirklich erinnern und beginnen, Fragen zu stellen: Wer bin ich, wer sind die anderen Leute im Raum, wie kam es zu dieser Katastrophe? Das Musiktheaterstück „Sensor“ des Komponisten Konrad Boehmer und des Schriftstellers Albert Ostermaier ist eine Entdeckungsreise ins Innenleben der drei Personen und in eine aus den Fugen geratene Welt. (more…)

Ganz schön radikal

Claus Guth inszeniert „Salome“ als surreales Seelendrama über den Missbrauch hinter bürgerlicher Fassade

„Lauter perverse Leute“ treten in der Oper SALOME auf. So hat es Richard Strauss selbst formuliert. Der mächtige Herodes wirft lüsterne Blicke auf seine Stieftochter Salome, während der gefangene Prophet Jochanaan aus der Zisterne ruft. Salome tanzt für ihren übergriffigen Stiefvater und wünscht sich als Belohnung das Haupt des Propheten. Sie liebkost den abgeschnittenen Kopf, und Herodes ist so schockiert, dass er Salome töten lässt. Das klingt alles schon sehr pervers, und die Aufführungstradition der Oper steckt voller Inszenierungen, die einen Haufen exzentrischer oder verrückter Kunstfiguren auf eine düster und surreal ausgestattete Bühne stellen. (more…)

„Das ist unsere Lebenszeit!“

Acht Insassen der Jugendstrafanstalt Berlin reflektieren Themen aus Richard Strauss’ Oper „Salome“ und verknüpfen sie mit ihrer eigenen Lebensrealität

„Hier ist es enorm langweilig“ sagt Yasin*, einer von derzeit 300 in der Jugendstrafanstalt Berlin (JSA) inhaftierten Heranwachsenden. Wegen schweren Raubs hat der 20-Jährige die letzten fünf Jahre hinter hohen Mauern nahe der Beusselstraße verlebt. Zweieinhalb weitere stehen noch aus. „Aufschließen, zuschließen – so geht das jeden Tag“, bekräftigt er schulterzuckend, um dann mit einem Grinsen zu ergänzen: „Täglich grüßt das Murmeltier“. (more…)

Bewegungsmelder

Zur Uraufführung des „elektrischen Musiktheaters“ SENSOR von Konrad Boehmer und Albert Ostermaier

Der Komponist Konrad Boehmer war eine jener „mythischen“, bekannt-unbekannten Figuren der Nachkriegsavantgarde. So habe ich ihn zumindest während meines Studium der Komposition und Musikwissenschaft zwischen 2000 und 2004 in Saarbrücken kennengelernt – bevor sich dann dort der direkte, persönliche Kontakt ergab. Als Mitglied der „Kölner Schule“ in den „wilden Jahren“ der musikalischen Nachkriegsavantgarde um 1960 hat Boehmer seinen festen Platz in der Musikgeschichte: als Teilnehmer der Darmstädter Ferienkurse 1959 im zarten Alter von 18 Jahren. (more…)

Mit solidem Schuhwerk und fester Gangart

Mindestens einen Sänger im Ensemble der Deutschen Oper Berlin gibt es, über den man sich zuraunt, er könne Weltkarriere machen, wenn er nur wollte: Markus Brück. Stattdessen wählte der den Beruf des Publikumslieblings. Damit führt Brück die Tradition früherer Ensemblemitglieder fort, die man kannte, eben weil sie regelmäßig in Berlin auftraten: Martti Talvela, Lisa Otto oder Elisabeth Grümmer. (more…)

Die Schönsten der Schönen

„Durch die Blume…“ sagt man eigentlich Unangenehmes. Der Titel „Sag’ es durch die Blume“ würde demnach der Aufforderung gleichkommen, eine missliebige, hässliche Wahrheit beschönigend zu umschreiben. Und genauso ist es ja auch in der Oper: Es handelt sich dabei um ein grundweg euphemistisches, schönrednerisches Gewerbe. (more…)

Nietzsches Blick auf den Hirtengott Pan

Unter Leitung von Donald Runnicles spielt das Orchester der Deutschen Oper Berlin Gustav Mahlers monumentale 3. Sinfonie

Maurice Béjart (1927-2007) war zeitlebens ein großer Mahler-Bewunderer. Mit seinem Ballett „Ce que l’amour me dit“ (1974) ehrte der Choreograf dessen Kompositionen, in dem er seiner Inszenierung Auszüge aus Mahlers Dritter unterlegte. Die Symbiose hat bis heute weder an Energie noch Aktualität eingebüßt. Nach zehnjähriger Abstinenz führte das Béjart Ballet das Repertoirestück endlich wieder in Berlin auf. Das war vergangenen Herbst, als die Compagnie für wenige Tage in die Hauptstadt kam. (more…)

Italienische Oper im Erbgut

„Verdi hat sein Leben lang experimentiert. Ihm hätte das Raumkonzept unserer ‚Aida‘ bestimmt gut gefallen“, meint Andrea Battistoni. Auch der junge Dirigent ist neugierig und offen für neue Erfahrungen. „Die Zuhörer werden Verdis Oper ebenfalls ganz anders erleben. Wenn sie direkt neben den Sängern sitzen, spüren sie die musikalische Energie viel direkter.“ Der italienische Dirigent gehört zu den großen Nachwuchshoffnungen. (more…)

„Egal, ich sehe alles kommen!“

Seit acht Jahren ist William Spaulding Chordirektor an der Deutschen Berlin — (s)ein Traumberuf

Oberflächlicher Belcanto? Keinesfalls! William Spaulding liebtes, Gaetano Donizetti zu verteidigen: „Das ist Musik mit Tiefgang, das packt einen gefühlsmäßig, regt aber auch den Geist an.“ Der Chordirektor studiert mit seinen Sängern gerade „La Favorite“ für die konzertante Premiere am 2. Dezember ein. „Kommen Sie mit zum Flügel, und ich zeige Ihnen das Frechste, was ich je gehört habe“, sagt er, blättert kurz im Klavierauszug und greift in die Tasten. (more…)