Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

21.01.2016

Viele kleine Mosaiksteinchen

In der Musiktheater-Uraufführung „Sensor“ verschwimmen die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Der Abend beginnt mit einem fürchterlichen Krach. Zwei Frauen und ein Mann finden sich in einem Haus mit eingestürztem Dach wieder. Was ist passiert? Sie können sich nicht wirklich erinnern und beginnen, Fragen zu stellen: Wer bin ich, wer sind die anderen Leute im Raum, wie kam es zu dieser Katastrophe? Das Musiktheaterstück „Sensor“ des Komponisten Konrad Boehmer und des Schriftstellers Albert Ostermaier ist eine Entdeckungsreise ins Innenleben der drei Personen und in eine aus den Fugen geratene Welt. (more…)

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20.01.2016

Ganz schön radikal

Claus Guth inszeniert „Salome“ als surreales Seelendrama über den Missbrauch hinter bürgerlicher Fassade

„Lauter perverse Leute“ treten in der Oper SALOME auf. So hat es Richard Strauss selbst formuliert. Der mächtige Herodes wirft lüsterne Blicke auf seine Stieftochter Salome, während der gefangene Prophet Jochanaan aus der Zisterne ruft. Salome tanzt für ihren übergriffigen Stiefvater und wünscht sich als Belohnung das Haupt des Propheten. Sie liebkost den abgeschnittenen Kopf, und Herodes ist so schockiert, dass er Salome töten lässt. Das klingt alles schon sehr pervers, und die Aufführungstradition der Oper steckt voller Inszenierungen, die einen Haufen exzentrischer oder verrückter Kunstfiguren auf eine düster und surreal ausgestattete Bühne stellen. (more…)

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19.01.2016

Bewegungsmelder

Zur Uraufführung des „elektrischen Musiktheaters“ SENSOR von Konrad Boehmer und Albert Ostermaier

Der Komponist Konrad Boehmer war eine jener „mythischen“, bekannt-unbekannten Figuren der Nachkriegsavantgarde. So habe ich ihn zumindest während meines Studium der Komposition und Musikwissenschaft zwischen 2000 und 2004 in Saarbrücken kennengelernt – bevor sich dann dort der direkte, persönliche Kontakt ergab. Als Mitglied der „Kölner Schule“ in den „wilden Jahren“ der musikalischen Nachkriegsavantgarde um 1960 hat Boehmer seinen festen Platz in der Musikgeschichte: als Teilnehmer der Darmstädter Ferienkurse 1959 im zarten Alter von 18 Jahren. (more…)

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18.01.2016

Mit solidem Schuhwerk und fester Gangart

Mindestens einen Sänger im Ensemble der Deutschen Oper Berlin gibt es, über den man sich zuraunt, er könne Weltkarriere machen, wenn er nur wollte: Markus Brück. Stattdessen wählte der den Beruf des Publikumslieblings. Damit führt Brück die Tradition früherer Ensemblemitglieder fort, die man kannte, eben weil sie regelmäßig in Berlin auftraten: Martti Talvela, Lisa Otto oder Elisabeth Grümmer. (more…)

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13.01.2016

Die Schönsten der Schönen

„Durch die Blume…“ sagt man eigentlich Unangenehmes. Der Titel „Sag’ es durch die Blume“ würde demnach der Aufforderung gleichkommen, eine missliebige, hässliche Wahrheit beschönigend zu umschreiben. Und genauso ist es ja auch in der Oper: Es handelt sich dabei um ein grundweg euphemistisches, schönrednerisches Gewerbe. (more…)

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03.12.2015

Italienische Oper im Erbgut

„Verdi hat sein Leben lang experimentiert. Ihm hätte das Raumkonzept unserer ‚Aida‘ bestimmt gut gefallen“, meint Andrea Battistoni. Auch der junge Dirigent ist neugierig und offen für neue Erfahrungen. „Die Zuhörer werden Verdis Oper ebenfalls ganz anders erleben. Wenn sie direkt neben den Sängern sitzen, spüren sie die musikalische Energie viel direkter.“ Der italienische Dirigent gehört zu den großen Nachwuchshoffnungen. (more…)

01.12.2015

„Egal, ich sehe alles kommen!“

Seit acht Jahren ist William Spaulding Chordirektor an der Deutschen Berlin — (s)ein Traumberuf

Oberflächlicher Belcanto? Keinesfalls! William Spaulding liebtes, Gaetano Donizetti zu verteidigen: „Das ist Musik mit Tiefgang, das packt einen gefühlsmäßig, regt aber auch den Geist an.“ Der Chordirektor studiert mit seinen Sängern gerade „La Favorite“ für die konzertante Premiere am 2. Dezember ein. „Kommen Sie mit zum Flügel, und ich zeige Ihnen das Frechste, was ich je gehört habe“, sagt er, blättert kurz im Klavierauszug und greift in die Tasten. (more…)

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25.11.2015

Das Debüt des Regie-Punks

Peter Sellars inszeniert Kaija Saariahos „La Passion de Simone“ mit der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker

Wunderliche Heilige: Was gibt es Schöneres?! In der Oper sind sie ohnehin gern gesehen. Was hier wertfrei, nein: positiv gemeint ist. Was wären Parsifal, Lohengrin oder Jolanthe schließlich anderes als etwas rätselhaftere Propheten. In den letzten Jahrzehnten wurde die Trefferdichte sonderbarer Sendboten auch nicht kleiner: Messiaens „Saint François d’Assise“ oder Wolfgang Rihms Montezuma in „Die Eroberung von Mexiko“: (more…)

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20.11.2015

Welten- und Liebesträume eines Fantasten

Schon in ihrer ersten Arie singt sie vom Tod, und dieser Gedanke lässt sie bis zum letzten Akt nicht los: Aida ist eine jener Bühnenfiguren, die allein zum Sterben auf die Bühne geschickt worden zu sein scheinen. Der schöne weibliche Tod, das war eines der Lieblingsthemen des 19. Jahrhunderts: Die Frauen sind sterbende Engel oder sterbende Prostituierte („La Traviata“), sterbende Freiheitsfanatikerinnen („Carmen“) oder Sterbenskranke (Mimì in„La Bohème“), vom eifersüchtigen Ehemann Erwürgte (Desdemona/„Othello“) oder den großen Liebestod Suchende (Isolde/„Tristan und Isolde“). Mit der Realität jedenfalls haben sie wenig zu tun, sind vielmehr eine Projektionsfläche für männliche Sehnsüchte, weit entfernt von den widrigen Problemen des Alltags. Ihr schöner Tod lädt ein zum Träumen und hält sie auf Distanz. Giuseppe Verdis „Aida“ reiht sich hier zweifellos ein. (more…)

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18.11.2015

Protest im Prunkbau: Reinhold Jaretzky über Oper als politische Kunst

Ob auf dem Grünen Hügel in Bayreuth, der Mailänder Piazza della Scala oder in der Hofstallgasse in Salzburg: Zur jährlichen Saisoneröffnung dieser Hochglanz-Opernspielstätten ist der Aufmarsch der nationalen Politiker-Eliten garantiert. Es scheint bei diesen umkämpften Premieren um mehr zu gehen als um den puren Genuss der Kunst. Wenn Herrschende sich gezielt vor einer medialen Öffentlichkeit inszenieren, ist Politik im Spiel. (more…)

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