Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

05.04.2013

Sicht I – „Die Unterhändlerin“ / Neue Szenen in der Tischlerei

„Eine womöglich noch tiefere Wahrheit aber ist es, dass das Subjekt, das ich bin, an das Subjekt, das ich nicht bin, gebunden ist, dass wir jeweils die Macht haben, zu zerstören, und der Möglichkeit ausgesetzt sind, zerstört zu werden. Wir sind wechselseitig in diesem prekären Verhältnis bestimmt. Unser aller Leben ist in diesem Sinn prekär.“ (Judith Butler, „Krieg und Affekt“)

 

Neue Szenen – Internationaler Kompositionswettbewerb
Ich werde nicht sterben. In meinem Bett
Momentaufnahmen nach einem Text
von Christoph Nußbaumeder
Anna Politkowskaja gewidmet
In Kooperation mit der
Hochschule für Musik „Hanns Eisler“

Komposition: Evan Gardner
Regie: Eva-Maria Weiss

Textfassung: Christoph Nußbaumeder,
Anna Politkowskaja und Evan Gardner
unter Mitwirkung von Katja Heinrich,
Friederike Jacob und Eva-Maria Weiss

 

 

 

Eva-Maria Weiss
Eine Textauswahl:
„I thought I heard a rustling noise coming from behind the green door just a couple of metres away, where I imagined hundreds of people were sitting trapped and frightened, the people whose plight I had come here for. (…) Lonely jackets and raincoats watched my steps. It was cold, very cold in this dreadful theatre – and there has never been a theatre in the entire world so stuffed with explosives.“

25. Oktober 2002, 2.00 Uhr.
Die Journalistin Anna Politkowskaja betritt das Moskauer Dubrowka-Theater. Sie soll als Unterhändlerin mit etwa 50 tschetschenischen Rebellen sprechen, die zwei Tage zuvor alle Insassen während einer Vorstellung des Musicals „Nord-Ost“ als Geiseln genommen hatten. Durch ihre jahrelange Berichterstattung aus dem Tschetschenienkrieg weiß sie um die Lage der dortigen Bevölkerung, die den Verwüstungen, der Folter und dem Morden der russischen Truppen wehrlos ausgeliefert sind. Sie spricht lange mit dem Anführer der Terroristen, kann ihn jedoch nicht davon überzeugen, die Geiselnahme zu beenden. Es wird ihr lediglich erlaubt, Wasser und Saft für die Geiseln zu bringen.

I am, of course, a very poor negotiator. I had no idea what to say. And he – who had lived for half a life without taking off his military uniform and with a sub-machine-gun in his hands – he didn‘t know how to do it either. That is why we kept slipping into conversations about the meaning of their life, for instance. [ … ] Had I done a lot or a little? A little of course. But I could not do more. When the place was stormed, all the terrorists I had spoken to died. And with them died 67 of the hostages who had drunk my juice before death. Let war be damned.“
Anna Politkowskaja, „I tried and failed“, The Guardian, 30. Oktober 2002

 

Evan Gardner
Über seine Herangehensweise

„Anna Politowskaja glaubte daran, dass das Schicksal ihr eine Mission gegeben hätte: den Menschen die Wahrheit über das zu sagen, was wirklich in Tschetschenien passierte. Sie opferte ihr Leben, indem sie den Menschen eine Stimme gab, die keine hatten. Sie ist für mich eine Heldin, die die Welt niemals vergessen wird.“

Hinterlasse eine Antwort