Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

22.08.2013

George Baker (1931–1997): Alunos-Discus

Seit 1978 ziert eine „Wolkenplastik“ die Wand des Parkett-Foyers zur Bismarckstraße. In den ersten Jahren stach sie durch ihre Oberfläche aus matt poliertem Metall heraus. Später wurde sie auf Wunsch des Architekten der Deutschen Oper Berlin, Fritz Bornemann, dunkel abgespritzt und so der allgemeinen Optik des Foyers angepasst. „Wolkenplastik“ ist eine sehr ungenügende Bezeichnung für dieses Kunstwerk, aber wer kann sich schon den Namen Alunos-Discus merken?. Umso leichter kann man sich den Namen des Künstlers merken, der es geschaffen hat. Schließlich tragen und trugen ein amerikanischer Außenminister, ein Schauspieler, ein holländischer Rockmusiker und übrigens auch ein englischer Operettenbariton den Namen George Baker. George P. Baker indessen, von dem hier die Rede sein soll, wurde 1931 in Corsicana, Texas geboren. Schon während seines Studiums in Kalifornien unternahm er 1950 eine Weltreise, die ihn nach Indien und Afghanistan führte, bevor er über den Mittleren Osten zum ersten Mal nach Europa kam. 1960 hatte er seine erste Einzelausstellung in Los Angeles. Über seine frühen Werke wurde gestritten, ob sie „gegenständlich“ seien oder nicht. Die Formen seiner stets aus Metallplatten zusammengesetzten Skulpturen schienen jedenfalls natürlichen Formen aus dem Pflanzen- und Tierreich nachgebildet zu sein. Für den Betrachter schienen sie sich durch ihre verschachtelte Anordnung zu bewegen, auch wenn Baker erst später auf die Idee kam, Elektromotoren zu installieren, mit denen die einzelnen Teile gegeneinander verschoben werden konnten. Sein erstes großes Projekt entstand 1970 für die Weltausstellung in Osaka, Japan, die „Expo-70 fountains“. 1971 erhielt er für 18 Monate ein DAAD-Stipendium, das ihn für längere Zeit nach Berlin führte, wo er bereits 1964 in der Galerie Springer seine erste Einzelausstellung hatte. 1976 entstand im Zuge der 200-Jahr-Feiern der USA die „Nebraska Wind Sculpture“, eine vom Wind angetriebene monumentale Installation mit sich gegeneinander verschiebenden Metallscheiben.

Aus Anlass ihres 75-jährigen Jubiläums am 29. Januar 1978 gab die Amerikanische Handelskammer in Berlin George Baker den Auftrag für eine Wandskulptur, die sie den Berlinern zum Geschenk machte und die am 14. April im Foyer der Deutschen Oper Berlin übergeben wurde. Baker selbst wünschte sich diesen Ort, denn er ließ sich in seinem Konzept der kinetischen Plastik sehr stark durch Richard Wagner und dessen Ideen zu Raum und Zeit inspirieren. Es passte gut, dass die Einweihung der Plastik mitten in eine Aufführung des RINGS DES NIBELUNGEN, zwischen SIEGFRIED und GÖTTERDÄMMERUNG fiel.

George P. Baker starb 1997 in Altadena, Los Angeles. Bis zuletzt schuf er unermüdlich nicht nur in öffentlichem, sondern auch in privatem Auftrag. Eines der letzten Werke ist eine vom Wind angetriebene 4,57 m hohe Plastik auf dem Oberdeck des Kreuzfahrtschiffs Rhapsody of the Seas der Royal Caribbean International.

Wenn jetzt Alunos-Discus in die Inszenierung HIMMELSMECHANIK – EINE ENTORTUNG integriert wird, so ist das nicht nur eine Wolkenskulptur, die thematisch zu den Himmelserscheinungen Kagels und Steinhäusers zählt, sondern ein eigenständiger Beitrag zur Erforschung von Zeit und Raum, auf die sich die Zuschauer gemeinsam begeben.

Foto aus der Inszenierung HIMMELSMECHANIK – EINE ENTORTUNG © Bernd Uhlig

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