Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

15.10.2013

Mozart-Experimente

Die Tischlerei zeigt drei Inszenierungen von Mozarts COSI FAN TUTTE und richtet ein Symposion über „Die Zukunft der Oper“ aus

Nach wie vor geht von der alten Kunstform Oper eine faszinierende Energie aus, die Akteure und Publikum immer noch außergewöhnlich affizieren und in einen besonderen Zusammenhang versetzen kann. In gegenwärtigen Opernproduktionen ist vielerorts jedoch eine eingefahrene Routine bemerkbar. …Darum beschäftigt sich ein Forschungsprojekt der Kunstuniversität Graz unter dem Titel „ Zwischen Hermeneutik und Performativität“ seit eineinhalb Jahren mit der Frage, welche Herangehensweisen an Oper jenseits gängiger interpretierender Muster denkbar sind. Unter der Leitung von Barbara Beyer experimentieren drei Regie-Teams mit Mozarts Oper COSI FAN TUTTE, probieren unterschiedliche Denkansätze und Ideen aus.

Ausgangspunkt der künstlerischen Forschungsarbeit waren theoretische Überlegungen, die an Diskussionen um das Regietheater, Werktreue und performative Mittel in der Kunst anknüpfen. Seit den siebziger Jahren hat die Inszenierung von Opern tiefgreifende ästhetische Wandlungen erfahren.

Das sogenannte Regietheater, seit geraumer Zeit auf internationalen Bühnen etabliert, wendet Mittel aktualisierender Deutung an im gesuchten Bezug zur Gegenwart der Zuschauer und des Einfühlungstheaters, mit einem Fokus auf der Psychologie der Charaktere und einer linearen, kausal angelegten Erzählweise.

Die Problematik des Regietheaters zeigt sich immer mehr darin, dass kaum mehr innovative Perspektiven auf die bekannten Werke erschlossen werden und die Herangehensweise zunehmend den Kontakt zum aktuellen Diskurs der anderen Künste verliert. Es stellt sich die Frage: Wie kann die Opernarbeit ihren – problematischen – Umgang mit dem Vergangensein ihres Materials auf eine Zukunft ausrichten, damit sie nicht selbst zu Geschichte wird? Die Vorgaben des Forschungsprojektes orientieren sich am Format des deutschen Stadttheaters: der Guckkastenbühne, mit dem Orchester im Graben und einem gängigen Repertoirestück, das mehr oder weniger ungekürzt erklingen soll.

Die drei jungen Regieteams arbeiten dabei mit drei verschiedenen Ensembles. Die Ergebnisse haben Mitte September 2013 in Graz Premiere. Im Oktober wird die Oper COSI FAN TUTTE an drei Abenden hintereinander in drei verschiedenen Inszenierungen in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin gegeben.

 

Symposion: Die Zukunft der Oper

Im Licht zeitgenössischer Musiktheaterkompositionen, aktueller philosophischer Überlegungen und avantgardistischer Tendenzen in anderen Kunstsparten wird im Rahmen der drei COSI FAN TUTTEProduktionen im Foyer der Deutschen Oper ein hochkarätig besetztes Symposion stattfinden, das auch andere Genres und Künste in den Diskurs einbezieht und nach den Bedingungen heutigen Kunstschaffens fragt.

Vorträge, Gespräche und Diskussionsrunden u. a. mit Dirk Baecker, Aviel Cahn, Erika Fischer- Lichte, Carl Hegemann, David Hermann, Navid Kermani, Tilmann Knabe, Susanne Kogler, Christine Lemke-Matwey, Jonathan Meese, Barbara Mundel, Meg Stuart, Dietmar Schwarz, Benedikt von Peter, Klaus Zehelein.

 

COSI FAN TUTTE in der Tischlerei am 25., 26., 27. Oktober 2013

Musikalische Leitung: Moritz Gnann

Regieteams: Michael von zur Mühlen/ Christof Ernst, Margo Zalīte/Martin Miotk, Clara Hinterberger/Anika Söhnholz

3 × COSI FAN TUTTE ist ein Gastspiel der Kunstuniversität Graz. Gefördert vom österreichischen FWF [Fonds für wissenschaftliche Forschung]. In Kooperation mit Aventis Foundation, der Universität der Künste Berlin, der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und der Deutsche Bank Stiftung. Mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Nationaltheaters Weimar.

Aus: Deutsche Oper Magazin September 2013

Foto © Aras Gökten

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