Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

02.12.2013

Zwischen Spott und Todesangst, Liebe und Krieg

Clémentine Margaine und Markus Brück interpretieren Lieder aus Gustav Mahlers „Des Knaben Wunderhorn“

Wir kennen Clémentine Margaine in ihrer Paraderolle als sinnliche Carmen, der die Männerwelt zu Füßen liegt. Bariton Markus Brück ist auf der Opernbühne bald als Verführer Don Giovanni und tragischer Spaßvogel Rigoletto zu erleben. Doch die beiden sind nicht nur in der Opernwelt zu Hause, Sie machten sich auch mit Konzerten einen Namen.

Die französische Mezzosopranistin Clémentine Margaine, die zwei Jahren im Solistenensemble der Deutschen Oper Berlin war, hat sich zwischen Alter Musik und romantischem Oratorium ein reiches Repertoire erarbeitet. Kammersänger Markus Brück zählt seit zwölf Jahren zu den Stützen des Ensembles. Mit Generalmusikdirektor Donald Runnicles war er schon in Glasgow und Edinburgh und feierte mit „Ein Deutsches Requiem“ Erfolge.

Gemeinsam singen Margaine und Brück am 3. Dezember Gustav Mahlers Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“. Der Wiener Hofoperndirektor hat zwar keine Oper komponiert, aber die menschliche Stimme in seinen Liedern und Sinfonien mit einzigartigen Aufgaben bedacht. Die zwölf Lieder und Balladen, die Mahler auf die von Brentano und von Arnim gesammelten Volksliedtexte schrieb, verlangen beiden Solisten, dem Orchester der Deutschen Oper und seinem Dirigenten Donald Runnicles viele Gestaltungsfacetten ab. Zwischen Spott und Todesangst, Liebe und Krieg breiten sie ein weites Panorama menschlicher Emotionen aus. Humorvoll, wie im Liebeslied auf die fröhliche Wirtstochter oder satirisch, wie im verwegenen Reiterlied für verständnislose Musikkritiker. Dem steht die hintergründige Fischpredigt und die düstere Erzählung vom hungernden Kind, das sterben muss, weil seine Mutter das Brot nicht rechtzeitig gebacken bekommt, gegenüber. Die Soldatenlieder erzählen von Leid und Angst. Subtil verweisen sie auf die Schrecken des Krieges, als hätte Mahler 1899 zwei Jahrzehnte in die Zukunft schauen können. Als Ensemblemitglieder sind Margaine und Brück gut aufeinander eingespielt. In den „Wunderhorn“-Liedern verkörpern sie eindrucksvolle „Rollen“ wie das sich kabbelnde Pärchen in „Verlorne Müh‘“ oder das Zwiegespräch des Gefangenen mit einem Mädchen vor dem Kerker im „Lied des Verfolgten im Turm“. Auch das zweite sinfonische Schwergewicht des Konzerts stammt von einem Komponisten, der nie eine Oper geschrieben hat: Donald Runnicles dirigiert die 2. Sinfonie von Johannes Brahms.

Autorin: Martina Helmig

Aus der Beilage zur Berliner Morgenpost, Dezember 2013

Fotos Clémentine Margaine und Markus Brück © Agentur

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