Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

13.03.2014

Auf Leben und Tod

Was zählt eigentlich im Leben? Was kommt nach dem Tod? Schon das Gilgamesch-Epos stellte vor über 3000 Jahren Fragen, die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren haben. In GILGAMESH MUST DIE! ist die Geschichte von Gilgamesch, der nach dem Tod seines besten Freundes Enkidu radikal sein Leben ändert, der Ausgangspunkt für ein gemeinsames Projekt der Deutschen Oper Berlin mit der Schweizer Band „The bianca Story“, dem Regisseur Daniel Pfluger sowie 16 Berliner Kindern und Jugendlichen.

Wir haben drei Mitglieder des Teams – den Musiker Victor Moser und die Jugendlichen Jeele Geróm Johannsen und Leonie Kolhoff – gefragt, was sie über Tod, Unsterblichkeit und Freundschaft denken.

Jeele Geróm Johannsen

Im Gilgamesch-Epos spielt die Beziehung zwischen Menschen und Göttern eine große Rolle. Bist Du selbst auch religiös?

Ich bin zwar freichristlich getauft, würde mich aber als Atheist bezeichnen. Bei uns zuhaus hat Religion auch weiter keine Rolle gespielt; meine Eltern haben uns nicht bedrängt, abgesehen von einem kurzen Tischgebet im Rudolf-Steiner-Stil. Ich glaube aber schon, dass es da irgendwo eine Macht gibt und dass Gilgamesch Teil am ewigen Leben hat, weil er ja auch etwas von einem Gott hat. Es gibt für mich keinen Gott, so wie er in der Bibel steht und wie ihn die meisten Religionen darstellen.

Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod?

Ich habe da schöne Ideen, an die ich gerne glauben würde. Aber ich bin wohl doch eher ein materieller Typ. Ich betrauere nicht die Leute, die sterben, und glaube nicht, dass man in die Hölle kommt.

Hast Du schon einmal erlebt, dass jemand gestorben ist, dem Du emotional nahe standest?

Ja, meine Uroma. Eine sehr tolle Dame war das, die hat sehr intensiv gelebt und konnte stolz auf alles sein, was sie erlebt hat. Als sie gestorben ist, hat mich das mitgenommen. Aber ich glaube, ich gehe damit auf eine eher ungesunde Art um, indem ich viel verdränge. Ich hätte gerne eine Religion, um eine Grundregel und einen Halt zu haben. Um sagen zu können: Derjenige ist im Himmel, da hat er es gut. Dann könnte ich damit abschließen und weiß, wo derjenige ist. Das hilft sicher.

Stellst du Dir manchmal vor, wie die Menschen wohl reagieren werden, wenn Du tot bist?

Das tut doch jeder, oder? Man sollte das allerdings nicht machen, wenn man depressiv drauf ist. Dann schmilzt der Kreis von Leuten, von denen man glaubt, dass sie einem nachtrauern würden, nämlich ziemlich zusammen.

In GILGAMESH  geht es auch um Freundschaft. Hast Du eigentlich so etwas wie einen besten Freund, dem Du völlig vertraust?

Ich hatte mal eine richtig gute Freundin, aber dann sind wir nach Berlin gezogen, und das hat sich verflüchtigt. So einen richtig guten Freund zu haben, das geht nicht so einfach. Aber natürlich wünsche ich mir das.

 

Leonie Kolhoff

Im Gilgamesch-Epos spielt die Beziehung zwischen Menschen und Göttern eine große Rolle. Bist Du selbst auch religiös?

Ja. Ich bin mit christlicher Religion aufgewachsen und glaube auch daran. Ich bin Katholikin. Und auch wenn ich es nicht so oft in die Kirche schaffe, weil die katholischen Messen nun mal etwas länger dauern, bete ich täglich, das gehört bei mir einfach dazu. Ich glaube auch, dass ein Gebet etwas beeinflussen kann. Auch wenn es nur darum geht, dass Gott einem beim Abi helfen soll.

Wie möchtest Du am liebsten in Erinnerung bleiben?

Für mich hängt die Frage, wie man in Erinnerung bleiben will, sehr stark damit zusammen, was man für andere bedeutet. Wenn man jemanden stark liebt, möchte man jeden Tag an ihn denken, auch wenn er gestorben ist. So wird dieser Mensch ein Teil von einem selbst.

Hast Du schon einmal erlebt, dass jemand gestorben ist, dem Du emotional nahe standest?

Vor kurzem ist meine Tante gestorben und ich habe das Gefühl, dass sie noch immer da ist, dass sie bei uns ist, obwohl ihr Körper tot ist. Es fällt mir schwer, das überhaupt zu realisieren, dass jemand, mit dem man so eine enge Beziehung hatte, auf einmal nicht mehr da sein soll. Und meine Tante hat sehr intensiv gelebt und war sehr lebensfroh.

Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod?

Als meine Oma gestorben ist, habe ich mir vorgestellt, dass sie von oben herabschaut. Jetzt ist es eher so, dass ich das Gefühl habe, sie ist bei mir und begleitet mich bei dem, was ich tue.

In GILGAMESH geht es auch um Freundschaft. Hast Du eigentlich so etwas wie einen besten Freund, dem Du völlig vertraust?

Ich habe eine richtig gute Freundin, die ich auch schon 15 Jahre kenne. Wir sehen uns zwar nicht so oft, aber das ist ein Mensch, bei dem ich das Gefühl habe: Dem kannst du alles sagen und brauchst keine Scheu zu haben.

 

Victor Moser

Im Gilgamesch-Epos spielt die Beziehung zwischen Menschen und Göttern eine große Rolle. Bist Du selbst auch religiös?

Mittlerweile spielt Religion in meinem Leben keine Rolle mehr. Ich bin zwar in einer christlichen Tradition aufgewachsen und habe als Kind die Geschichten aus der Bibel vorgelesen bekommen, aber inzwischen bin ich konfessionslos. Ich habe zwar ein Interesse an Religionen, aber vor allem im gesellschaftlichen und kulturgeschichtlichen Sinn: daran, wie sie funktionieren und das Leben der Menschen regulieren. Also eher am kirchlichen Aspekt.

Glaubst Du denn, dass es nach Deinem Tod mit Dir irgendwie weitergeht?

Nein, tut mir leid: Ich glaube, dass mit dem Tod alles vorbei ist. Ende, aus.

Wie möchtest Du in Erinnerung bleiben?

Ich habe nicht den Anspruch, unsterblich zu werden. Wenn ich mein Ego pushen wollte, müsste ich mein Leben völlig anders gestalten. Mir ist Freundschaft wichtiger: Gemeinsam etwas zu wagen, an einem Projekt zu arbeiten und dabei Beziehungen zu anderen zu entwickeln. So wie jetzt bei GILGAMESH MUST DIE!

Zwischen den Helden Gilgamesch und Enkidu kracht es ja erstmal, bevor die beiden Freunde werden. Entwickeln sich Freundschaften so?

Klar kann das sein. Fabian aus der Band und ich sind zum Beispiel in der gleichen Straße aufgewachsen und hatten lange eigentlich nichts miteinander zu tun. Er war der Superfußballer und ich eher so ein Nerd, der sich hauptsächlich für Baustellen interessierte. Das war zwar kein Konflikt, aber wir lebten in zwei verschiedenen Welten. Und die Freundschaft kam dann erst mit der Musik.

Hast Du einen besten Freund, dem Du rückhaltlos vertraust?

Mein bester Freund ist meine Freundin. Wir sind schon zwölf Jahre zusammen zur Schule gegangen und seitdem auch ein Paar.

 

Foto: Kampagnenmotiv GILGAMESH MUST DIE! © Gregor Braendli

Interview aus der aktuellen Ausgabe der “Tischlerei-Zeitung No. 2″

 

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