Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

20.12.2012

„Erweitern die Phantasie“

Panama in der Tischlerei!

Seit eineinhalb Wochen laufen die Proben für die Kinderoper “Oh, wie schön ist Panama”. Die Reise in das unbekannte Sehnsuchtsland hat also begonnen und mit im Gepäck haben wir natürlich viele, herrlich duftende Bananen!

Für die chinesische Komponistin des Stücks Lin Wang (*1976) hat die Reise nach Deutschland leider noch nicht begonnen, da es mit dem Visum nicht so klappt, wie zunächst erhofft. Nun warten wir alle gemeinsam sehnlichst auf ihre Ausreisegenehmigung. Der Austausch mit Lin findet momentan allein per Email oder Telefon statt, an das Panama-Ensemble schrieb sie aus China folgende Worte:

Liebe Zusammen,

wegen Visa-Problemen kann ich jetzt nicht in Deutschland sein. Obwohl ich doch schon seit mehreren Jahren in Deutschland und in Europa studiere und lebe!  Nun warte ich also auf mein Visum und weiß überhaupt nicht, wann ich das bekommen kann (… es ist eine lange Geschichte).

Solche trivialen winzig-kleinen Sachen sind für Euch und Menschen in vielen anderen Ländern gar nicht ein Problem. Aber für das chinesische Volk ist dies im 21. Jahrhundert immer noch ein großes Problem. Könnt Ihr euch das vorstellen?

Jawohl –  neben der Kultur, Sprache, Denkweise, Arbeitsweise, Gewohnheiten, Essenkultur, Karosseriestruktur (Körper) oder Hautfarbe gibt es noch viele andere Unterschiede. Dies bedeutet, wir könnten nicht auf unsere eigenen Gewohnheiten zurückgreifen, um die Ergebnisse der Dinge zu beurteilen. Wie kann man also die Kultur eines Landes behandeln, das uns völlig fremd ist? Aber Gott sei Dank haben wir ja die Kunst, die Musik und Anderes. Wir sind Menschen, haben die gleichen Gefühle und die gleiche Lebensfreude. Und wir brauchen Austausch, gegenseitiges Verständnis, Emotionalität und Freunde.
Panama ist eine Reise, eine cross-kulturelle Reise. Unsere Arbeit ist aber nicht Marco Polo, sie ist nicht exotisches Reisen. Wir suchen nach einer geistigen Heimat, einem Heimatland.

Ich bin eine Chinesin, aber in diesem Moment kann ich nicht sagen, dass ich mein Heimatland verstehe und kenne. Denn es ist groß – zu groß!? Jedenfalls so groß, dass man es nicht kontrollieren und sich vorstellen kann. Mit Größe meine ich nicht seine geographische Lage oder die Bevölkerungsgröße, sondern seine Geschichte, seine Komplexität, seine Geheimnisse, seine erstaunlichen Veränderungen. Also China bitte nicht oberflächig und stereotyp erklären wollen. Es ist nicht so einfach. Geschweige denn, es in ein oder zwei Sätze sie deutlich zu beschreiben.

Ich freue mich sehr darüber, dass ich mit Euch allen zusammen unsere jeweilige geistige Heimat suchen kann. Wir werden nach Panama fahren, fliegen, schwimmen, uns spüren…!

Es gibt einige Punkte, die ich erklären möchte: 

1: Die wellenförmigen Linien geben Euch eure Freiheit. Vielleicht fragt ihr Euch ja, woher eigentlich die wellenförmigen Linien kommen? Vielleicht sind sie wie ein Abklatsch des Yin und Yang-Musters: Chinesisches Drama (Beijing-Oper, Kun-Oper), chinesische Gesang-Technik, chinesische Tanz-Bewegung,  Körperhaltung,  Qi-Gong,  Atmung und Sprechstimme – alle haben einander eine große Bedeutung und Verbindung. Nicht?

Deshalb, macht Euch bitte gar keine Sorgen, ob ein falscher Ton gesungen wird oder nicht. Die sind zwischen Improvisation und tatsächlicher Tonhöhe. Erweitert Eure Illusionen zu singen und zu spielen…!!

2. Vielleicht im ersten Augenblick mit meinen Noten fühlt man, dass alles komplex und schwierig ist, aber wenn die Musiker ein besonderes Gefühl gefunden haben, ist es tatsächlich überhaupt nicht mehr schwer. An dieser Stelle möchte ich Dorothea sehr sehr sehr danken. Sie hat wirklich gute und extra spezialisierte Musiker für das Stück gefunden!

3. Ich finde, Panama ist nicht die eigene Heimat, sondern ein fremdes Land. Denn wenn man ein fremdes Land besucht, erfährt man viel mehr über die Wurzeln der eigenen tiefen Heimatliebe…  Sentimentalität erfasst die Träume.

Nochmals Tausend Dank für Eure Arbeit. Hoffentlich, auf sehr bald!

Alles liebe

Lin

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