Der Blog

Herzlich Willkommen im Blog der Deutschen Oper Berlin! An dieser Stelle laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam über aktuelle Premieren und Repertoirevorstellungen ins Gespräch zu kommen. Wir nehmen Sie mit auf die Reise in die belebte Vergangenheit des Hauses, erzählen Geschichten seiner Protagonisten, geben tiefere Einblicke in die vielfältige Jugendarbeit und stellen ihnen wunderbare Künstler/Innen vor. Wir freuen uns auf Sie und ihre Kommentare!

08.09.2014

Mayako Kubo über „Das Meer“

„Musik nach Fukushima zu schreiben, ist nicht möglich. Die Opfer kann keine Musik trösten. Und was kann ich unternehmen? Wenn Unmengen kontaminierten Wassers immer noch Tag für Tag ins Meer fließen. Das Meer ist verseucht. Die Erde ist verseucht.

„Das Meer“, ein Auftragswerk des Landesmusikrates Berlin, habe ich für das Landesjugendensemble Neue Musik Berlin geschrieben. Es ist meine Art, Wut auszudrücken, wobei die Musik nicht das wiedergeben kann, was geschah. Musik bleibt Musik. (more…)

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08.09.2014

Isabel Mundry über „Gefächerter Ort“

„Der Komposition gehen zwei Anregungen voraus, die scheinbar unverbunden nebeneinander stehen. Auf der einen Seite widmet sie sich der Lektüre des Textes “Melancholie” von Peter Nádas, in dem der Bedeutung des Begriffes nachgegangen wird, der weniger als ein Gemütszustand, sondern eher als eine Wahrnehmungsform beschrieben wird. Die melancholische Wahrnehmung sei sich bewusst, dass jeder Blickwinkel nur einen Ausschnitt darstelle, daß man nicht gleichzeitig nah und fern sein könne, nicht gleichzeitig ich und ein anderer. (more…)

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05.09.2014

Katia Tchemberdji über „Ouvertüre“

Die „Ouvertüre“ – das Stück vor dem Stück – entfaltet sich im orchestralen Raum, in dem die Instrumentengruppen Holzbläser, Streicher, Klavier/Akkordeon, Gitarre/Harfe/Schlagzeug als Klangschichten gedacht, sich zu- oder voneinander dynamisch bewegen und sich irrealen Charakteren auf der virtuellen Bühne annähern. Am Ende geht der imaginäre Vorhang auf – die Eröffnung einer Oper. Wobei die letzte aber nicht gespielt wird.
(Katia Tchemberdji) (more…)

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05.09.2014

Sarah Nemtsov über „communication – lost – found“

Frau Nemtsov, Neue Musik und ein Laienensemble, wie geht das zusammen?
Ich würde die Musikerinnen und Musiker des Landesjugendensembles Neue Musik nicht unbedingt als Laien bezeichnen, sie haben nur nicht eine komplette Ausbildung abgeschlossen und sie haben noch wenig Erfahrung. Aber ich habe schon mehrfach für Laien komponiert. Die Musik muss man Musik anders denken, weil bestimmte Voraussetzungen, die man bei Profi-Ensembles hat, nicht gegeben sind. Dafür erhält man eine besondere Energie, auch ein gewisse Unschärfe, aus der aber eine bestimmte Kraft erwächst. (more…)

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05.09.2014

Juliane Klein über „weit-weit“

„Wenn sich beim Hören von Musik (genauer gesagt: beim ZUHÖREN) in mir Gedanken an Außerordentlichkeit, an Tiefe / Höhe, an Einmaligkeit, an Visionäres, an Fremdheit und Nähe etc. regen, bin ich dann in Berührung mit dem Schönen gekommen? Im Lärm von Ansicht, Meinung, Standpunkt, Überzeugung, Wissen, Wertung und Urteil mag ‘das stille, sanfte Sausen’ des Schönen nicht gehört werden.
Denn das, was wir hören, ist eben nur das, was wir hören KÖNNEN.

 

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27.08.2014

Im Rhythmus der Primzahlen

Der Mathematiker Özgür Kesim erklärt im 1. Tischlereikonzert „Zwischen Spiel und Chaos“, was Musik und Mathematik miteinander zu tun haben.

Herr Kesim, bei Kindern wird zwischen musischer und mathematischer Begabung unterschieden. Liegen Musik und Mathematik wirklich so weit auseinander?

Nein, schon die Biografien bekannter Persönlichkeiten legen das Gegenteil nahe. Einstein zum Beispiel hatte eine starke musikalische Affinität, und Komponisten wie Bach haben Werke mit strengen, nahezu mathematischen Strukturmerkmalen komponiert. Und ich habe in meinem Studium etliche Mathematiker kennen gelernt, die begeisterte Hobbymusiker waren. (more…)

13.02.2014

Das Böse steckt in jedem von uns

Tischlerei: Strawinskijs „Geschichte vom Soldaten“ mit lebendigem Bühnenbild

Im Monat Februar ist an der Bismarckstraße buchstäblich der Teufel los. Neben der Premiere der Berlioz-Oper „Fausts Verdammnis“ im großen Haus spielt das Faust-Motiv auch in der Tischlerei eine dominierende Rolle. Der Teufel hole das Menschengeschlecht! ist das 4. Tischlerlei- Konzert mit Igor Strawinskijs „Die Geschichte vom Soldaten“ überschrieben. Wie viele andere Schriftsteller und Tonkünstler war auch der russische Komponist zeitlebens vom Faust-Stoff fasziniert. „L‘Histoire du Soldat“, 1918 uraufgeführt, handelt von einem Soldaten, der mit seiner Geige, seinem einzigen Besitz, auf Reisen geht. (more…)

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28.09.2013

Leidenschaftlicher Individualist

Ein Porträt des palästinensisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi von Jörg Königsdorf

Hinterhaus links, zweiter Stock, die letzte Treppenhausreinigung dürfte auch schon eine Weile her sein. Drinnen vergilbte Türen, abgenutzte Dielen und nur ein zersessenes Flohmarktsofa in der Ecke deutet zaghaft an, dass das große Zimmer in Samir Odeh-Tamimis Wohnung hin und wieder auch gesellschaftlichen Zwecken dient. Dafür aber viel Platz. Raum für Keyboards und Partituren, Raum zum Sich-frei-Fühlen, Arbeiten und Denken. So wohnen Künstler, und man wäre nicht überrascht, wenn … (more…)